Das Erbe der sieben Familien

  • Goldmann
  • Erschienen: Februar 2023
  • 1
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Carsten Jaehner
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Histo-Couch Rezension vonNov 2023

Die Geschichte Italiens während der Renaissance.

Im Jahr 1494 herrscht Chaos in Italien, das noch kein Italien ist, sondern bislang nur aus verschiedenen kleineren Königreichen und Stadtstaaten besteht. Dazu gehören auch Florenz mit Piero de‘ Medici, der nicht an den Ruhm seiner Vaters Lorenzo de‘ Medici anknüpfen kann. Im Gegenteil, er wird geschasst und von den Anhängern des Bußpredigers Girolamo Savonarola verjagt. Zur gleichen Zeit hat es der Spanier Rodrigo Borgia an die Spitze der Katholischen Kirche geschafft und herrscht als Papst Alexander VI. über den Kirchenstaat. Gemeinsam mit seinem Sohn Cesare verfolgt er nicht nur Pläne für die Kirche, sondern vor allem auch für die eigene Familie.

Im Mailand wird Ludovico Sforza, genannt „Il Moro“, zum Herzog ernannt, zudem macht ein aufstrebender Maler und Konstrukteur namens Leonardo aus dem kleinen Ort Vinci auf sich aufmerksam. Während Neapel sich durch Hochzeit an die Borgia bindet und Venedig versucht, nicht von allen anderen überfallen zu werden, machen sich zwei große Plagen in Italien breit: Neben den Franzosen, die unter König Ludwig XII. das Land zu erobern suchen, ist vor allem die Franzosenkrankheit ein Feind für alle Beteiligten, unabhängig von Stand und Geschlecht. Die Königreiche richten sich selbst zugrunde und bilden dabei doch die goldenen Jahre der Renaissance in Italien.

Die Borgia und die Sforza

Im zweiten und letzten Teil seiner Dilogie setzt Matteo Strukul dort in den italienischen Landen an, wo er mit „Die Macht der sieben Familien“ geendet hat. Zwar geht es nur noch um fünf Familien, doch sind die Intrigen, Kämpfe und Kriege die gleichen geblieben. Italien, der politische Flickenteppich im Süden Europas, sieht immer noch Blut und Krankheiten. Und gerade die Franzosenkrankheit, wie die Syphilis seinerzeit genannt wurde, ist ein Feind, den alle bekämpfen müssen. Man wusste noch nicht viel über die Krankheit, einige verwegene Wissenschaftler forschten darüber, darunter auch Leonardo da Vinci. Er ist einer der Hauptprotagonisten, die immer wieder ein Kapitel lang ihren Weg gehen, und an diesen Punkten kommt etwas Ruhe in das Geschehen.

Andere Protagonisten, denen der Autor mehr Raum bietet, sind Papst Alexander VI., sein Sohn Cesare Borgia und seine Tochter Lucrezia, Spielball der Politik ihres Vaters und ihres Bruders, mit Macht und Einfluss, wenn es nicht gerade um ihre Familie geht. Cesare kämpft im Namen seines Vaters erst als Kardinal, dann als Kriegsherr um mehr Einfluss für den Kirchenstaat, doch ist auch er am Ende ein Opfer der Intrigen und Krankheiten.

Gut lesbar

Matteo Strukul versteht es, den Überblick zu behalten und den vielen Handlungssträngen eine Form zu geben, die den Leser nicht überfordert. Dank Strukuls einfacher Sprache lässt sich gut verfolgen, was sich gerade wo ereignet. Dabei muss er gar nicht Schlachten beschreiben, wo es nicht nötig ist, es reicht auch, zu sehen, wie die Beteiligten mit dem Ergebnis klarkommen müssen, schließlich geht es hier hauptsächlich um Politik und nicht um Militärtaktik. Dennoch werden auch gelegentlich Schlachten beschrieben, wo es Sinn macht.

Der Roman umspannt von 1488 bis 1507 fast zwanzig Jahre, sodass der Autor sich zwangsläufig nicht in unwichtigen Details verliert. Dass der Roman trotzdem streckenweise spannend und fesselnd ist, liegt nicht nur am Handlungsstrang mit Leonardo, sondern vor allem an denen der Borgias und Ludovico „Il Moro“ Sforza, die am meisten zu kämpfen und zu leiden haben. Im Bett wird keiner von ihnen das Zeitliche segnen. Das ist vom Autor gut gewählt, denn obwohl viele Familien ihre Finger im Geschehen haben, sind einige mehr, andere weniger von Bedeutung. Dies erlebt der Leser hautnah mit, und die vom Autor gewählte Gewichtung macht historisch gesehen Sinn.

Dankenswerterweise hat der Autor dem Roman neben einem Inhaltsverzeichnis (mit immerhin 113 Kapiteln auf knapp 690 Seiten aus dem Hause Goldmann) ein Verzeichnis der Geschlechter und somit der wichtigsten Charaktere vorangestellt, so dass man immer wieder nachschauen kann, wer denn nun wer ist und mit oder gegen wen eingestellt ist. Am Ende gibt es vom Autor noch ein paar Anmerkungen und einige Danksagungen. Lobenswert erwähnt werden soll auch das Buchcover, das bereits eine gewisse Historie andeutet.

Fazit

Mit dem finalen Teil seiner Dilogie über die herrschenden Familien im Italien der Renaissance schließt Matteo Strukul eine Geschichte ab, die ihn als Italiener persönlich interessiert und die daher gut recherchiert und überlegt erzählt wird. Freunde dieser Epoche werden vielleicht einige Details erfahren, die sie noch nicht kannten, hingegen vielleicht andere vermissen. Für Neulinge in der Geschichte Italiens und für andere Interessierte bieten die beiden Romane einen schönen, gut und verständlich formulierten Einstieg in die Geschichte Italiens und in die wichtigsten Familien ihrer Zeit. Es gibt viele Möglichkeiten, sich je nach Interesse weiter in die Themen zu vertiefen.

Das Erbe der sieben Familien

Matteo Strukul, Goldmann

Das Erbe der sieben Familien

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