Aspergers Schüler

  • Piper
  • Erschienen: November 2023
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Heike Jaschhof
891001

Histo-Couch Rezension vonDez 2023

Über Vertrauen und Hoffnung.

Wien 1986: Die 28jährige Psychologin Sarah kommt wegen einem Forschungsauftrag über Dr. Hans Asperger nach Wien. Mit großer Freude und Interesse beginnt sie mit den Recherchen über den berühmten Kinderarzt. Doch sehr schnell gerät sie in Zweifel über seine Integrität.

„Ich wünschte, Schwester Viktorine wäre hier.“

Laura Baldini erzählt in ihrem Roman „Aspergers Schüler“ die Historie der heilpädagogischen Kinderfachabteilung im Universitätsklinikum Wien während der Jahre 1932 bis 1944. Im Mittelpunkt stehen die Krankenschwester Viktorine, der achtjährige Autist Erich sowie Dr. Asperger mit seinen Kollegen. Beginnend mit dem Jahr 1932 ist auf der Abteilung noch alles in Ordnung. Die Kinder werden unter reformpädagogischen Ansätzen behandelt. Das ändert sich mit dem Einmarsch von Hitlers Wehrmacht 1938.

Nachdem der Roman in einem harmonischen Stil angefangen hat, nimmt er nun rasant Fahrt auf. Umfassend berichtet Autorin Laura Baldini über die menschenverachtende Gesinnung und Ziele des NS-Regimes. Die Behandlungsmethoden für die kognitiv beeinträchtigten und psychisch erkrankten Kinder werden äußerst prekär. Ohne die Grenzen des politisch Akzeptablen zu verletzen, versuchen Viktorine und Dr. Asperger sie vor den Fängen der Nationalsozialisten zu bewahren.

Die stützende Kraft für die Kinder ist Schwester Viktorine. Aufopfernd kümmert sie sich um das Wohl ihrer Schützlinge. Besonders am Herzen liegt ihr Erich, ein Mathematikgenie. Je weiter die Leser/innen in das emotional ergreifende Buch eintauchen, desto mehr spitzt sich das Geschehen zu. Die Autorin bringt in ihrem, an wahre Begebenheiten orientierten Roman, auch das ambivalente Verhältnis Dr. Aspergers zu den NS-Ideologien zur Sprache. In einer übersichtlich konzipierten Kapitelfolge ermöglicht sie den Leser/innen, detaillierte Einblicke über die Persönlichkeit des Autismus-Forschers zu bekommen.

Entsprechend ihrem taktvollen Schreibstil schließt Laura Baldini den historischen Roman mit einem aufschlussreichen Nachwort ab.

Laura Baldini, eigentlich Beate Maly, geboren1970 in Wien / Österreich, ist ausgebildete Kindergartenpädagogin. Mit Studium und mehreren Fortbildungen spezialisierte sie sich auf die Arbeit mit Kindern mit einer Autismus–Störung. Neben ihrer pädagogischen Tätigkeit ist sie auch unter ihrem zweiten Pseudonym Lina Jansen als Schriftstellerin tätig. Sie lebt heute mit ihrem Ehemann und drei Kindern in Wien.

Fazit

 „Aspergers Schüler“ ist spannend und berührend zu lesen. In bewegender Weise berichtet Laura Baldini über den Mut und den Einsatz für Entrechtete und stigmatisierte Personen während der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich. Der Roman ist ein Stück Zeitgeschichte, ergreifend und intensiv erzählt.

Aspergers Schüler

Laura Baldini, Piper

Aspergers Schüler

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